Ardbeg Distillery

Wie Lagavulin und Laphroaig machen sie einen schweren Malt: rauchig, torfig, salzig mit medizinischen Noten. Er ist zum Kultwhisky avonciert, dessen Limited Editions manchmal an einem Tag ausverkauft sind. Ardbeg ist ein stark peatiest Scotch Single Malt.

Ardbeg Distillery
Ardbeg Distillery

Ardbeg bedeutet soviel wie kleine Anhöhe oder Landzunge und ist eine der drei sog. Kildalton-Brennereien, wozu auch Laphroaig und Lagavulin gehören. Sie liegt 5 km östlich von Port Ellen in Richtung Ardtalla (Kildalton Cross) an der Südküste der Insel Islay. Nördlich des Dorfs Ort Ardbeg steht das Kildalton Cross, welches auf jeder Ardbeg-Flasche zu finden ist. Im Visitor-Center und Cafe der Brennerei, dem Old Kiln Café, gab es bei meinem letzten Besuch sehr gutes Seafood und die Geschäftsführerin Jackie Thomson erinnerte sich an fast jeden der schon mal zu Besuch war. Auf dem Gelände der Ardebeg Distillery kann man auch eine Unterkunft mieten. Das Seaview Cottage ist das ehemalige Wohnhaus des Destilleriechefs. Es bietet Platz für sechs Erwachsene in drei Zimmern mit drei Bädern. Preise liegen bei 250 £ pro Nacht oder 1700 £ pro Woche.

Geschichte der Ardbeg Distillery

 

Die ersten Jahre mit den McDougalls

Am Standort der Ardbeg Distillery soll schon 1794 eine Schwarzbrennerei gestanden haben, die durch die Steuerbehörde abgerissen worden sein soll. Nach dem die Steuerbeamten wieder auf dem Festland waren sollen schon 1798 die Bauernfamilie McDougall wieder eine Brennerei aufgebaut haben. Historisch belegt ist der Betrieb der Brennerei mit Konzession von John McDougall ab 1815 unter dem Namen ARDBEG. Der Name soll von dem gälischen Altschottisch ard bheag = kleine Anhöhe abstammen.

 

Die Jahre mit Hiram Walker

Bis 1959 war die Brennerei im Familienbesitz der McDougalls. Bis 1976 gab es mehrere Besitzerwechsel, dann 1976 übernahm der damals mächtige Allied Lyons-Konzern Hiram Walker (Canadian Club, Balantines) die Brennerei Ardbeg. Die eigene Mälzerei wurde unter dem neuen Besitzer nur noch wenig und ab 1980 gar nicht mehr benutzt. Mit der Neueröffnung hat sich einiges in der Produktion in der Ardbeg Distillery verändert, wodurch sich auch der Geschmack des Ardbeg Single Malts verändert hat. Gründe warum die Abfüllungen nach 1976 anders schmecken sind:

  • Der Torf für die eigene Mälzerei wurde bei Loch Iaran in den Duich Lotts. Der Torf war schwarz und mit dichter Vegetation angereichert. Der von Port Ellen bezogene Torf ist heller und stammt aus einem anderen Teil von Islay.
  • Die Trocknung der Gerste erfolgte früher mit dem schwarzen Torf für 24-30 Stunden und wurde danach durch Glanzkohle ausgetauscht.

Allied Distillers schloss während der Thatcher-Ära 1981 die Brennerei, da sie torfigen Whisky von Laphroaig bezogen, die ebenfalls in ihrem Besitz war. Um die Maschinen in Schuß zu halten wurden in zwei Monate pro Jahr destilliert. In den Jahren nach der Stilllegung wurden die Lagerbestände hauptsächlich für den Blend Ballantines verbraucht. Daher gibt es sehr wenige Fässer aus den 1960iger und 1970iger Jahren. Einzelfassabfüllungen, oft in Fassstärke, aus den frühen 70er Jahren, also vor der Schließung der eigenen Mälzerei können als Wertobjekte bezeichnet werden.

Ardbeg Distillery
Ardbeg Distillery

 

Die Jahre mit McDonald & Muir

Im Februar 1997 kaufte die Glenmorangie plc. die Ardbeg Distillery für angeblich 7 Mio. Pfund und investierte 1,4 Mio für die Renovierung. Im Juni 1997 lief der erste neue Ardbeg aus den Brennblasen (am 20.Juni um 2 Uhr nachts). Die eigene Mälzerei blieb geschlossen und wurde 1998 zum Besucherrestaurant und Shop umgebaut. Zum 1.Januar 2000 wurde das Ardbeg Committee gegründet, einem Fanclub der im ersten Jahr 3.500 Mitglieder hatte und heute über 120.000 Mitglieder zählt. 2001 wurde die Spirit Still durch eine exakte Kopie ersetzt und die alte still wurde am Eingang zur Brennerei platziert.

Mit der Übernahme hat Glenmorangie zunächst die Standard-Abfüllung der „Allied-Ära“, den Ardbeg Ten, mit den alten Destillaten des Vorbesitzers weitergeführt. Dabei hatten die neuen Eigentümer aber mit dem Problem zu kämpfen, dass durch die restlichen Fässer oftmals mit einem geringeren Torfgehalt destilliert wurden. Daher brachte Glenmorangie kurz nach der Übernahme den rauchigen 17-jährigen Ardbeg, (am 10.September 1997 abgefüllt). 2004 wurde der letzte 17 Jahre alte Ardbeg abgefüllt, der aber aus den Destillaten kreiert werden musste die schon über 20 Jahre alt waren. Mit den ungetorften Whiskys wurden dann limitierte Abfüllungen wie der Kildaton oder Blasda abgefüllt.

 

Die Jahre mit LVMH

Im Oktober 2004 kaufte der Konzern Moet Hennessy Louis Vuitton (LVMH) Ardbeg Brennerei. Nach der Übernahme Ardbegs durch die LVMH verließ der dort seit der Wiedereröffnung tätige Manager Stuart Thomson, dessen Frau das Old Kiln Café in der alten Mälzerei betreibt, die Destillerie. Sein Nachfolger ist Mickey Heads, der bereits zu Zeiten Allieds unter Iain Henderson als Brauer bei Ardbeg tätig und bis dato Manager der Isle of Jura Distillery war. Die Produktion hat sich unter der LVMH nicht verändert, aber durch das Marketing wurde die limitierten Abfüllungen verstärkt beworben, sodaß die Nachfrage die abgefüllten Flaschen stark überstieg.

Produktion in der Ardbeg Distillery 

 

Seit 2015 produziert die Ardbeg Brennerei in einer 7-Tage-Woche mit der maximalen Produktionskapazität von 1.300.000 Litern Rohalkohol. Es werden pro Woche 16 bis 17 mashes mit 54 Tonnen Malz produziert. Das leicht getorfte Wasser der Destillerie stammt aus dem Loch Uigeadail, der ca. 3 Meilen von der Brennerei entfernt ist und über Stein und Moor in den Loch Iaran, der gälisch der Arigh nam beist heißt, entwässert. Von dort wird er mittels einer Rohrleitung in die Brennerei geleitet.

Ardbeg Distillery
Ardbeg Distillery

Seit 1974 wird das Malz aus der Port Ellen-Mälzerei bezogen, wo es nach den Vorstellungen von Ardbeg aus der Gerstensorte Optic mit einen Phenolgehalt von ca 54 ppm) hergestellt wird. In einer Bobby Mill von 1921 wird das Malz zu "Grist" gemahlen, um dann im 4,5 Tonnen fassenden Maischebottich (mash tun) 3 mal mit heißem Wasser versetzt zu werden. Dadurch wandeln Enzyme die Stärke in eine Zuckerstruktur um. Die entstandene zuckerhaltige Flüssigkeit wird wort genannt und besitzt einen Zuckeranteil von ca. 15 %. Bevor die Maische über die perforierten Böden dann in die Wash Backs geleitet wird, wird sie durch einen Gegenstromkühler auf ca. 18 bis 20°C gekühlt, damit die Hefen zugesetzt werden können.

Die 6 Gärbottiche (wash backs) sind aus zwei unterschiedlichen Holzarten, da die Kapazität im Laufe des Brennereibetriebs verdoppelt wurde. So sehen wir heute je drei aus Lärchen- und drei aus Douglasienholz mit einer jeweiligen Kapazität von ca. 25.000 Litern. Im den 3 washbacks kommen die ersten beiden Ansätze aus dem obigen Prozess in die "Washes", wo Destillierhefe zugesetzt wird. Dabei entsteht in 55 Stunden Fermentationsdauer ein Bier oder wash mit einem Alkoholgehalt von ca. 8,5 % Vol.

Ardbeg Distillery
Ardbeg Distillery

Die Brennblasen sind wie früher mit keltischen Ornamenten verziert, ohne jedoch eine Funktion zu haben. Der erste Brennvorgang erfolgt in der wash still, der Rohbrandbrennblase, die über 18.000 Liter Fassungsvermögen hat, aber nur mit rund 12.000 Litern wash befüllt wird (18.279 l Kapazität, 11.775 l Beladung). Damit erreicht man ein sauberes Destillat. Erreicht die wash eine Temperatur von 78,3°C steigt der Alkohol im gasförmigen Zustand nach oben und gelangt über die lyne arms zum condenser. In rund 5 Stunden wird die wash in der wash still zu low wines mit 24 % Vol. gebrannt. Die low wines werden über den spirit safe zur Zwischenlagerung in den low wine receiver geleitet.

 

Im zweiten Brennvorgang die Feinbrandbrennblase, spirit still, mit einem Fassungsvermögen von 17.000 Liter mit etwa 13.500 Litern (16.957 l Kapazität, 13.660 l Beladung) gefüllt. In diesem Brennvorgang werden die „guten“ von den „schlechten“, also die trinkbaren von den ungenießbaren Alkoholen getrennt. In den ersten 10 Minuten trennen sich leicht flüchtige Verbindungen, wie Ethylacetat und flüchtige Ester (scharfes Aroma), von der wash. Dieser sogenannte Vorlauf oder foreshot wird über den spirit safe in den low wine reciever geleitet. Danach erfolgt rund 4 ½ Stunden lang der Mittellauf, middle cut, der aus genießbarem Alkohol mit einem Alkoholgehalt von ca. 76 % Vol. bis 62,5 % Vol. besteht und als new make in den spirit reciever geleitet wird. Der Nachlauf oder faints sind Fuselöle, der entsteht wenn der Alkoholspiegel unter 62 % Vol. sinkt. 

Ardbeg Distillery
Ardbeg Distillery

Ardbeg lagert seine Fässer vor Art und besitzt dafür 2 dunnage (max 3 Lagen Fässer) und 3 racked warehouses (bis zu 24 Lagen Fässer). Sie haben eine Lagerkapazität von 24.000 Fässern. Die Temperaturen innerhalb der warehouses schwanken innerhalb eines Jahres zwischen 5°C und 18°C. Gereift wird Ardbeg zu 98 % in Bourbon Barrels (50 % 1st fill und 50 % 2nd fill, von Jim Beam und Jack Daniels); 2 % in Sherry Fässer. Die anderen Fässer stammen von der Speyside Cooperage und von Craiggellachie.

Single Malts von Ardbeg

 

Genereller Stil nach Reifung torfig, medizinisch, salzig, trocken gepaart mit Süße, rauchig und leicht pfeffrig, voller Körper. Die regulären Abfüllungen der Ardbeg Single Malts bestechen vor allem durch die starke torf-rauchige Nase, in Verbindung mit einer leichten Salznote und einer Süße im Hintergrund. Die Abfüllungen von Ardbeg sind fast nur Original-Abfüllungen, da seit der Zeit mit McDonald and Muir kaum Fässer an unabhängige Abfüller verkauft werden. Die vier Standardabfüllungen sind:

Ardbeg TEN
Ardbeg Uigeadail
Ardbeg Corryvreckan
Ardbeg An Oa

Ardbeg Single Malt Whiskys
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